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Der Gram

Ich erzähl euch die Geschichte von einem, den ihr kennt,
er lebt im Wald auf grünem Pergament.
Er ist braun und lebt in Deutschland
Und schon das ganz alleine macht die Sache interessant.
Habt ihr ihn erkannt, wisst ihr, wen ich meine,
hat keine Nase und spindeldürre Beine
er ist kein Star und hat den Bogen überspannt
meine Damen und Herrn:

Der Gram

Also,

Es war einmal ein Wald.

Ein ganz gewöhnlicher Wald. Hier ein Baum, da ein Baum. Typischer Waldboden, Vogelgezwitscher und so weiter.

Auf einer kleinen Waldlichtung, voller Wildblumen, jeder Menge Insekten, einem kleinen Bach, der dort entlang floss, lebte ein Wesen.

Es hatte braunes zotteliges Fell, war kugelrund, nur spindeldürre Arme und Beine ragten aus seinem Körper. Sein Gesicht war umrahmt von Boshaftigkeit. Die Augenbrauen waren so dicht an den Augen, dass es niemals nett aussah. Es hatte einen großen Mund, voller leicht angefaulter, spitzer Zähne.

Es sah aus wie eine leicht angeschimmelte Frikadelle, deren Salzlakenkäsefüllung aus allen Seiten platzen wollte, sobald sich dieses Wesen seiner liebsten Beschäftigung widmete, dem Grämen.

Es grämte sich um alles und jeden.

„AUA, dieser verdammte Idiot!“ schrie es durch die ganze Waldlichtung. „Dieser kleine Arsch von Igel hat schon wieder einen seiner Kackstachel hier verteilt, ich raste aus!“

Oder:

„Pfui Teufel, schon wieder so ein abartiges ausgekotztes Gewölle von der Eule, dieser alten Federfresse!“

Oder:

„Halt dein scheiß Brunftmaul, du geiler Bock!“ schrie es in den Morgenstunden, als der Hirsch anfing zu grölen.

 

Es hasste alles und jeden und wollte partout mit nix und niemandem etwas zu tun haben. Die Waldtiere mieden seine Gegenwart und machten meist einen großen Bogen um dessen Waldlichtung, um sich dieser Wut zu entziehen. Früher hielten sich viele Tiere auf der Waldlichtung auf, aber seitdem das Wesen dort herumwütete, gingen sie nicht mehr hin.

Die Tiere nannten das Wesen „den Gram“!

Eines Tages, als der Gram mal wieder nörgelnd sich dem indischen Springkraut auf seiner Waldlichtung widmete: „Diese scheiß Kanakenpflanze versaut mir den ganzen Boden. Es ist wie die Pest,“ spazierte ein fremdes Tier durch den Wald. Die anderen Tiere wussten nicht, wer oder was es war und woher es kam.

Es sah ein wenig aus wie der Waschbär, aber doch etwas anders. Der Waschbär kam auch nicht ursprünglich aus dem Wald und war vor einigen Jahren erst hergekommen. Er hatte sich aber gut eingelebt und viele Tiere waren mit ihm gut befreundet. Nur der Gram hasste den Waschbären und wollte am liebsten, dass er wieder verschwände aus dem Wald.

 

Das Tier spazierte zielgerade auf die Waldlichtung des Grams zu. Bevor eines der anderen Tiere es warnen konnte, war es schon angekommen. Es stand am Rande eines kleinen Baumes, als der Gram es erblickte.

„Verpiss dich, du hundekackenhässlicher Fremder!“ schrie der Gram das Tier an. „Hier wohne ich und sonst niemand.“

Das Tier schaute sich um und betrachtete die Waldsiedlung. „Chill ma, hier ist doch genug Platz,“ sagte das Tier.

Der Gram wurde immer wütender: „Geh dahin, wo du herkommst.“

Das Tier schaute den Gram verständnislos an: „Ganz ruhig, dort wo ich herkomm, würde mir das Fell abgezogen werden, kann nicht zurück.“

Der Gram glühte fast vor Wut. „Ich will aber, dass du gehst,“ schrie er.

Das Tier, welches übrigens sich als Marderhund entpuppte,

sagte ganz ruhig „Nein.“

Der Gram fuhr vor Wut aus seiner Haut und schrie: „Geh!“

„Nein.“

„Doch!“

„Nein.“

„Doch!“

„Nein.“

„Doch!“

„Nein.“

… Dem Gram fielen keine Argumente mehr ein und er wendete sich vom Marderhund ab und ging.

Der Marderhund sah sich um und fand einen alten Fuchsbau, den der Fuchs wegen des Grams anscheinend vor langer Zeit schon verlassen hatte. Er machte es sich bequem und schlief ein.

Ein lautes Geräusch ließ den Marderhund aufwachen. Er kroch aus der Höhle und erblickte den Gram. Er trug ein Schild mit sich herum, wo das Gesicht des Marderhundes durchgestrichen drauf war.

„Hass und Tod dem Marderhund, verschwinde jetzt von meinem Grund!“ protestierte der Gram.

Der Marderhund dachte sich auch nur „Wo zur Hölle bin ich hier nur gelandet?“

Die anderen Waldtiere wurden auf den Protest aufmerksam und gingen behutsam in Richtung Waldlichtung. Sie sahen, wie der Marderhund heulend in eine Ecke gedrängt wurde vom Gram.

„Wenn du nicht verschwindest, zieh ich dir dein Fell ab,“ schrie der Gram. Der Marderhund wusste nicht, was zu tun war.

„Oh Gott der Arme,“ sagte das Eichhörnchen.

„Wir müssen ihm helfen,“ sagte der Igel.

„Aber der Gram…,“ sagte die Maus mit zitternder Stimme.

„Das kann doch nicht sein, dass wir alle Angst vor ihm haben,“ sprach die Eule.

„Wir sind mehr!“ sagte der Fuchs.

„Genau,“ sagte der Waschbär und ging entschlossen auf die Waldlichtung.

„Hey Gram, lass den Marderhund in Ruhe,“ rief er.

Der Gram drehte sich um. Seine Augen waren glutrot und seine Zähne fletschte er. „Du hast mir gar nix zu sagen, du gehörst hier genauso wenig hin wie dieser Köter.“

Die anderen Tiere gingen zögerlich auf die Waldlichtung und standen hinter dem Waschbären. Nun stand eine Schar von Tieren dem Gram gegenüber.

„Wir sind mehr! Wir sind mehr!“ schrien sie im Chor und kamen dabei dem Gram immer näher.

Der Gram kochte vor Wut. Sein ganzer Körper fing an zu zittern. Seine Augen glühten und seine Hände waren zu Fäusten geballt. Er fing an laut zu schreien. „Waaaaaaahhhhhhhh!“ –.

Ein großer Knall beschallte den Wald. Die Tiere wussten nicht, was gerade geschehen war.

Der Waschbär sagte: „Da ist wohl einer vor Wut geplatzt.“

Und die Moral von der Geschicht – Fremdenhass zerstört nur dich.

– Mira Lou –

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Es passierte an einem meiner Lieblings Orte,
die Summerjam war besser als jede Torte.
10 Jahre lang begleitet mich das Fest nun schon,
es war viel Freunde, Tanz und Raggaton.
Meine Freunde und ich hatten viel Spaß,
mit schwimmen, singen und natürlich Gras.

Es ist ein Fest mit vielen Kulturen,
nicht nur Unterschiede bei Kleidung und Frisuren.
Es prallten viele Eindrücke auf mich ein,
manche großartig, manche nicht so fein.

Ich dachte immer „Nein, so bin ich nicht.“
Doch dann erschien es wie ein grelles Licht.
Ich konnte die Gedanken kaum ertragen,
und fing an mich selbst zu verklagen.
Der Lauf des Rassismus begann im ersten Jahr,
doch hört jetzt selbst, was da geschah:

Im ersten Jahr trug ich Gelb Rot Grün,
schaute mir das Ganze an und blieb anonym.
Der Weg zum Zelt war dunkel und lang,
Die Aufdringlichkeit machte mir Angst und Bang.
Die Sprüche waren plump und direkt,
ich war davon sehr abgeschreckt.

Im zweiten Jahr passte ich mich mehr an,
betrat die Meile mit dem schwarzen Mann.
Als er mich sah, sprach er zu mir, doch ich lief weiter, wie ein scheues Tier.
„Come into my tent, we smoke some weed“,
sagte er zu mir und sang dieses Lied.
„Come on and stir it up, little darlin!“
Und ich merkte wie etwas in mir anfing.
Ich versuchte gegen anzukämpfen,
in der Sonne es auszudämpfen.
Die Gedanken blieben jedoch,
und ich merkte wie etwas in mir hochkroch.

Im dritten Jahr kam er nah an mich ran,
von hinten tanzte er mich an.
Er kam immer näher und näher,
ich flüchtete schnell zum bekannten Europäer.
Ein Hass staute sich in mir auf,
so nahm der Rassismus seinen Lauf.

Im vierten Jahr hatte ich die Schnauze voll,
ich fand alles nur noch grauenvoll.
Do you want to be my raegge lady?
Nein man, Such dir ein anderes Baby.
Es nervte mich einfach nur noch,
die Summerjam wurde zum schwarzen Loch.

Im fünften Jahr wusst ich nicht wie mir geschah,
ein schwarzer Mann kam und ich sagte JA.
„Ja, hier ist noch Platz neben meinem Zelt,“
Ich wusst nicht wie mir das gefällt.
Mit 20 Zelten war er allein,
„Kann ich dir behilflich sein?“
Wir bauten zusammen alles auf,
so nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Dankbarkeit war groß von ihm,
da kamen seine Freunde Toni und Akeem.
Sie ernannten mich zu ihrer Bürgermeisterin,
meine Gedanken machten nun nicht mehr viel Sinn.
Wir lachten über dieselben Sachen,
es begann in mir etwas zu erwachen.
Eine neue Familie wurden wir,
mit viel Spaß und ´na Menge Bier.
Am Montag kam der Abschied da,
aber mit Vorfreude schon aufs nächste Jahr.

Im sechsten Jahr war die Freude groß,
das Wiedersehen war grandios.
Die Angst gehörte zur Vergangenheit,
meine Panik tat mir sehr leid.
Wir lernten uns immer besser kennen,
es kam nie in Frage sich nochmal zu trennen.
Die Familie gehört jetzt dazu,
Toni, Akeem, ich und du.

Wie entsteht nur solch ein Gedankengut?
Ähnlich wie bei der Flüchtlingsflut.
Angst macht einem das Unbekannte,
das Fremde und Angespannte.
Dabei weiß man nicht wie sie ticken,
und man sollte mal hinter die Kulissen blicken.
Schmeiß weg, das Vorurteil und Klischee,
lad den Fremden ein zum Tee.
Lerne ihn kennen und verstehen,
du wirst in den Spiegel schauen und dich ansehen,
du wirst dich um Gnade anflehen und in deinem neuen ich aufgehen.
Schließ nicht von einem auf alle,
denn das ist die Rassismus-Falle!

– Mira Lou –