Category Archives: Johanna A.

Worte und Blicke

Diese Blicke in der Kneipe, die das Bier eine Note weniger gut schmecken lassen,
diese Blicke im Restaurant, die mir das Schlucken manchmal schwer werden lassen,
diese Blicke auf der Straße, die wie ein kleiner Stein im Schuh meinen Gang erschweren,
diese Blicke im Bus, die in einigen Momenten dazu führen, dass sich seine Hand von meiner löst,
diese Blicke, die uns darüber nachdenken lassen, an welchem Ort wir leben möchten.

Diese Blicke, sie machen mürbe.

Sie sagen „Was macht ihr da?“
sie sagen „Das ist nicht gut!“
sie sagen „Warum denn er?“
sie sagen „Das ist falsch!“

Diese Blicke, sie machen mürbe.

Und manchmal drehen sich die Köpfe, wollen noch einen Moment länger sehen, wovon sie ihre Augen nicht abwenden können, als seien sie in einem Zoo.
Und wenn sich die Münder öffnen,
wird es schrecklich.
Es wird so schrecklich,
dass ich mir wünsche,
laut schreien zu können, vor Wut, vor so viel Wut in mir drin.

Wut auf diese Menschen. Menschen, die verletzen, die so sehr verletzen, mit ihren Worten und Blicken.

Und diese Wut, sie wird so groß.
Sie lässt Tränen in meine Augen steigen,
sie lässt mich meine Fäuste ballen, sodass meine Knöchel weiß hervortreten,
sie lässt mein Herz schneller schlagen,
so schnell, dass ich meine, es zerreißt mir fast die Brust,
sie lässt mir kaum Luft zum Atmen,
diese Wut in mir drin, auf diese Menschen. Menschen, die verletzen, die so sehr verletzen, mit ihren Worten und Blicken.

Und mein Freund, er sieht mich an und sagt zu mir:
Rassismus – ist für mich nichts Neues.

– Johanna A. –

Unterwegs

Ich bin gerade wieder Zuhause angekommen. Bin lange unterwegs gewesen. Die ersten Wochen: Alles neu. Alles spannend. Atemberaubende Natur. Vielfältige Kultur. Freundliche Gesichter. Interessante Unterhaltungen. Den Kopf frei machen und mit neuen Dingen füllen. So viele Eindrücke. So viele Menschen. So viele Dinge …nicht verstanden.

Und dann, mitten auf der Reise: keinen Reisepass mehr, kein Geld, keine Papiere, alles weg, mitten auf der Reise, durch die ausländischen Behörden gekämpft, abgemüht, alles anders. Ohne Pass. Wer bist du?

Nichts geht mehr, alles steht still. … Erstmal nirgendwo hin. Unverständliche Briefe und unverständliche Formulare. Kaum Sprache, kaum Information. Unsicherheit.

Continue reading