Dancing girl

Es ist neun Uhr morgens, ich gehe zur Bushaltestelle.

Autohupen erfüllt die Luft, Reifen quietschen.

Ein Sonnenstrahl durchbricht die graue Wolkendecke.

Ein Tag wie jeder andere. Und doch will ich tanzen.

Hier und jetzt; über den Bürgersteig

In silbernen Doc Martens statt in Spitzenschuhen.

Jeansjacke und Minirock statt Tutu

Ich muss keine Ballerina sein, um Tänzerin zu sein.

 

Ich denke einfach: Augen zu und tanzen

Der Lärm der Großstadt verstummt, alles wird still

Die Menschenmassen verschwimmen vor meinen Augen

Ich strecke die Arme aus, als wolle ich die Welt umarmen.

 

Die Straßenlaterne wird meine Stange.

Das Rauschen der Baumwipfel zu meiner Musik,

Die Morgenröte ist das Scheinwerferlicht

Der Teer ist mein Tanzparkett.

 

Der Beat ist in meinem Kopf,

bestimmt meinen Herzschlag,

meine Gedanken fliegen davon,

ich fühle mich leicht und frei.

 

Was gestern war, spielt keine Rolle.

Der morgige Tag liegt noch so fern.

Der Augenblick wird zur Ewigkeit.

Ich tanze hier und jetzt.

 

Ich denke einfach: Augen zu und zu tanzen.

Ich will tanzen, als ob niemand zusieht.

Ich will tanzen, bis die Sonne aufgeht.

Ich will tanzen, als gäbe es kein Morgen.

 

In dem Lärm des Alltags,

in dem Piepen von Smartphones

und dem Ticken von Uhren

manchmal den Stuhl beiseite rücken

– und tanzen.

 

Auf dem Tisch in unserer Studentenbude,

Auf der frisch gemähten Sommerwiese,

Auf Kufen auf dem gefrorenen See,

Im warmen Regen auf dem Bürgersteig.

 

Ich denke einfach: Augen zu und tanzen.

Lass uns nicht einfach durchs Leben stolpern.

Auch, wenn es nicht immer unseren Lieblingssong spielt

Lass uns wieder aufrappeln und tanzen.

 

Ich denke einfach: Augen zu und zu tanzen.

Ich will tanzen, als ob niemand zusieht.

Ich will tanzen, bis die Sonne aufgeht.

Ich will tanzen, als gäbe es kein Morgen.

 

– Fabienne Kollien –