Unterwegs

Ich bin gerade wieder Zuhause angekommen. Bin lange unterwegs gewesen. Die ersten Wochen: Alles neu. Alles spannend. Atemberaubende Natur. Vielfältige Kultur. Freundliche Gesichter. Interessante Unterhaltungen. Den Kopf frei machen und mit neuen Dingen füllen. So viele Eindrücke. So viele Menschen. So viele Dinge …nicht verstanden.

Und dann, mitten auf der Reise: keinen Reisepass mehr, kein Geld, keine Papiere, alles weg, mitten auf der Reise, durch die ausländischen Behörden gekämpft, abgemüht, alles anders. Ohne Pass. Wer bist du?

Nichts geht mehr, alles steht still. … Erstmal nirgendwo hin. Unverständliche Briefe und unverständliche Formulare. Kaum Sprache, kaum Information. Unsicherheit.

Zu viel Neues. Zu viel Neues. Zu viele Menschen. Alles anders.

Ich möchte zurück, habe Sehnsucht nach Gewohnheit und nach Sicherheit, nach vertrauter Sprache, vertrauten Menschen, vertrauten Umgangsformen, vertrauter Umgebung. Ich möchte zurück, ich habe Sehnsucht nach Heimat.

Endlich: ich komme an, Zuhause, endlich. Dieses wohlige Gefühl, wieder daheim zu sein. Hier kenne ich alles, ich weiß, wie ich Menschen begegne, wie ich mich verhalte, ohne schräg angesehen zu werden, hier verstehen mich die Menschen und ich verstehe sie. Ich kenne die Umgangsformen, weiß sie anzuwenden und fühle mich wohl damit.

Hier habe ich Hobbys, Arbeit, Aufgaben, die auf mich gewartet haben.

Hier weiß ich wieder… wer ich bin.

Mein riesiges Glück – ja, Glück, denn was sonst sollte es sein?! – im Leben, Heimat zu haben, ein Zuhause, einen Ort, an den ich zurückkehren kann, an dem ich mich wohl fühle, den ich kenne. Familie und Freunde zu haben, die ich sehen und besuchen kann, die mir Halt, Orientierung und Sicherheit geben, die für mich da sind. Menschen bei und mit mir zu haben, die mir nahe sind, die ich mag und die mich mögen, so wie sie sind, so wie ich bin.

Endlich wieder Zuhause. Alles ist vertraut. So schön vertraut.

So viele Menschen, die noch immer unterwegs sind, nicht hier ankommen können, nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

So viele Menschen, die sich sehnen, nach Vertrautheit. Nach Sicherheit. Nach Geborgenheit. Nach Familie, die sie nicht mitnehmen konnten, die sie verloren haben, nach engen Freunden, die sie nie wiedersehen werden.

Sehnsucht nach Zuhause. Nach Vertrautheit. Nach Sicherheit. Nach Geborgenheit. Sehnsucht nach Heimat.

Sie haben sich NICHT FÜR das Hier, für Deutschland oder sonst ein Land, entschieden. Sie mussten sich GEGEN ihre Heimat entscheiden, GEGEN ihr Zuhause.

Wer verlässt seine Heimat? Wer wagt es, all die Vertrautheit und Geborgenheit aufzugeben, ohne auch nur zu ahnen, was ihn erwarten wird?

Menschen… Hinter jedem einzelnen von ihnen verbirgt sich eine Geschichte, seine Geschichte und seine Gründe, seine, die eigene Heimat, das Zuhause, zu verlassen.

Ich denke, wir sollten ihnen zuhören. Mit ihnen, statt über sie sprechen, und aufhören, Urteile zu fällen, die ihnen sowieso nicht gerecht werden. Sie haben so viel zu erzählen. Wir können so viel von ihnen lernen. Lass uns ihnen zuhören.

– Johanna A. –